Die Besonderheit des Eises aus dem Torne

Der Torneälven ist ein 410 km langer Fluss im schwedisch-norwegischen Grenzgebirge Lapplands. Er mündet bei Haparanda an der Grenze zu Finnland in den nördlichsten Teil der Ostsee.

Der Torne liefert jedes Jahr das Eis und den Kunstschnee für das Eishotel in Jukkasjärvi.

tornealven

Das Eis, welches für das Eishotel verwendet wird, ist bekannt für seine unglaubliche Reinheit und Transparenz. Diese Reinheit ergibt sich aus der besonderen Lage von Jukkasjärvi entlang des Flusslaufes, denn sie ist Abhängig von der Sauberkeit des Wassers und der genau richtigen Fließgeschwindigkeit beim Gefrieren. Die Sauberkeit ist gewährleistet durch eine ausreichende Wassertiefe und den Verlauf des Torne bis Jukkasjärvi. Etwas oberhalb von Jukkasjärvi ist der Torne schmal und hat deshalb eine hohe Fließgeschwindigkeit. Daraus resultiert im Allgemeinen ein sehr klares Eis. Es wird jedoch niemals dick genug, um daraus die erforderlichen Blöcke für das Eishotel gewinnen zu können. Etwas weiter unterhalb von Jukkasjärvi wird der Torne sehr breit und die Fließgeschwindigkeit verlangsamt sich erheblich. Dies führt zu Lufteinschlüssen und Luftblasen im Eis, wodurch es seine Klarheit und Transparenz verliert. Die Variation der Breite des Torne ist auf dem Satellitenbild gut zu erkennen.

1024_satellitenbild-torne-river

Direkt an den Ufern des Torne bei Jukkasjärvi hat der Fluss die ideale Fließgeschwindigkeit, um von Anfang November bis Ende März eine etwa 1 Meter dicke Eisschicht aus absolut transparentem und klarem Eis zu bilden. Es ist lediglich durchzogen von Rissen. Diese entstehen durch Spannungen aufgrund großer Temperaturdifferenzen über die Wintermonate (Null bis -40 Grad). Diese Risse geben den Skulpturen und Bauwerken ihre Einzigartigkeit unverwechselbare und Schönheit.

Jedes Jahr Ende März beginnt die „Ernte“ des Eises.

1024_dsc_9877
Große Kettensäge am Ausleger des Radladers

Mit einer Kettensäge mit 1,5m langem Schwert, die an einen Radlader montiert ist, wird das Eis zunächst in 1m breite Streifen gesägt, die dann in etwa 2,4m lange Blöcke zerteilt werden (Anmerkung: diese Fotos habe ich im März 2015 gemacht. Heute, Ende November,  ist dieser Vorgang nicht zu sehen. Das Eis hat derzeit nur eine Dicke von etwa 12 cm).

1024_dsc_9861
Radlader mit angehängter Gabel zum Bergen der Blöcke

Ein zweiter Radlader birgt die Blöcke aus dem Fluss und übergibt sie an einen Dritten, der sie dann in das Eislager transportiert.

1024_dsc_9842
Transport der bis zu 2.000 Eisblöcke in das Eislager

Auf diese Weise werden jedes Frühjahr zwischen 1.500 und 2.000 Eisblöcken aus dem Fluss geholt und für den Bau des nächsten Eishotels im November gelagert. Dazu benötigt die Halle keine besondere Kühlung, da allein die etwa 4.000 Kubikmeter Eis so viel Kühlenergie gespeichert haben, dass nur wenig zusätzlich gekühlt werden muss. Die Stromversorgung für diese Kühlung erfolgt über eine Solaranlage. Sonne gibt es in der „warmen Jahreszeit“ hier oben ja genug. Die Temperatur des Eises bei der Ernte beträgt etwa -5 Grad. Diese Temperatur ist in etwa auch im fertigen Einshotel „gespeichert“.

1024_img_0199
Eisblöcke im Eislager
1024_img_0271
Handling mit dem Gabelstapler
1024_img_0185
Vorkonfektionierte Blöcke für die Künstler

In Halle des Eislagers befindet sich auch die Eisproduktion. Dort werden die Blöcke computergesteuert geschnitten und für das Eishotel als Baumaterial oder für die Künstler vorbereitet. Das ist ein sehr technischer Prozess und hat wenig Romantik. Dennoch für mich als Techniker sehr beeindruckend.

1024_img_0188

Parallel beginnen die Künstler mit der Arbeit an ihren Skulpturen, die aus den Blöcken entstehen.

1024_img_0280

Und überall faszinierend transparentes und kristallklares Eis …

 

1024_img_0284

1024_1024_dsc_9579

 

 

Schreibe einen Kommentar