Icehotel fun 3.000 km südlich von Jukkasjärvi

Während meiner Zeit auf der Eishotel-Baustelle in Jukkasjärvi hat Luca Roncoroni (einer der langjährigen Künstler am Eishotel – siehe auch www.lra.no) mir beim Abendessen einmal von einem Experiment erzählt, das einige aus dem Eishotel-Team durchgeführt hatten. Dazu habe ich nach einiger Recherche sogar einen kleinen Film im Internet gefunden.

Diese Idee etwa 3.000 km nach Süden zu versetzen, und hier die gleiche Freude an diesem Schauspiel zu haben und zu vermitteln war der Grundgedanke dieses Projektes vom 29. Januar 2017.

Es ist gelungen. Seht selbst:

Es beginnt alles mit dem Bohren eines Loches für einen Pflock im Zentrum.
Dann wird mit Geos Hundeleine als „Zirkelschnur“ ein Kreis ins Eis geritzt. Durchmesser etwa 16 Meter.
Dann brauchts noch etwas Strom …
… und die gute Stihl …
… und viiiiieeel Geduld und Kraft.

„Wie Butter“, dachte ich, ginge das. So hatte ich das von den Sägen auf der Baustelle am Eishotel auch in Erinnerung. Irgendwie haben die dort wohl doch andere Maschinen (oder auch nur scharfe Ketten?). Nach den ersten Metern standen uns schon Fragezeichen im Gesicht, ob das wohl wirklich zu schaffen sein würde. Die ganze Sache gestaltete sich doch deutlich zäher als erwartet. Die Eisfläche hat eine Dicke von etwa 25 cm. Das 30er Schwert hatte an manchen Stellen so seine Mühe, vollständig durchzudringen.

Die Nachbarn haben eine zweite Säge organisiert. Ein Lichtblick!
Nach und nach kamen weitere „sägewütige“ Helfer hinzu.
Das Eis im See reicht mit seiner Klarheit wirklich an das Eis aus dem Torneälv in Jukasjärvi heran.
Und hält unsere Getränke schön kühl (wir haben mittlerweile in der schönen Wintersonne etwa plus 3°C).
Das Projekt nimmt Gestalt an – und zieht immer mehr neugierige Spaziergänger an.
Sieht doch so aus, als könnten wir den Rest bewältigen.
Aus den herausgesägten Blöcken entsteht eine „Eisbar“.
Stein auf Stein. Und immer wieder die Faszination über diesen besonderen Werkstoff Eis.

 

Auf der Zielgeraden.
Die letzten Zentimeter.

Und immer wieder die bange Frage: Haben wir exakt genug gearbeitet? Wird sich die Scheibe wirklich frei drehen können? Reichen die etwa 10 cm Ringspalt?

Geschafft! „Und sie dreht sich doch …“ Was für ein Jubel und welche eine Freude nach all den Mühen.
Reibungslos und mühelos. Und jeder will auch mal drehen.
Oder die Aussicht und letzten Strahlen der untergehenden Wintersonne genießen.

Für den Ingenieur in mir (und allen Lesern) hier noch ein paar Zahlen:

Durchmesser der Eisscheibe: 16 m
Umfang: 50 m
Fläche der Scheibe: 200 m²
Dicke der Eisschicht: 25 cm
Eisvolumen der Scheibe: 50 m³
Dichte von Eis: 0,918 g/cm³
Gewicht der Scheibe: 46.100 kg oder etwa 46 Tonnen
Summe der Fläche der Sägeschnitte: etwa 31 m²

 

Und für das Kind in uns allen zwei kleine Filmchen von unserem Experiment.

Bau des Eiskarussells
Das Eiskarussell in Betrieb

 

Unser besonderer Dank gilt Arne Bergh und seinem Team vom Icehotel in Jukkasjärvi für die Inspiration zu diesem Experiment! Ihr seid großartig! Den vielen begeisterten Menschen hier im „Süden Europas“ (von Euch aus betrachtet, ist das schon sehr weit im Süden) konnten wir auf diese Weise ein kleines Stück der nordischen Lebensfreude und der Faszination für das Eis nahebringen.

Chronologisch ist dies der letzte Beitrag unseres Blogs zu unserer Reise nach Lappland. Damit haben wir den Bogen geschlagen von Jukkasjärvi und seinem Eishotel zurück nach Erbach, wo unsere Reise am 6. Oktober 2016 begann. So schließt sich der Kreis. So wie sich auch der Kreis am Eishotel von Jahr zu Jahr schließt. From river to river. Das Hotel aus Eis und Schnee fließt zurück in den Torneälv, von wo es gekommen ist.

Wir möchten den Blog hiermit abschließen und uns bei allen Lesern bedanken für die zahlreichen positiven und schönen Rückmeldungen. Es war in allen Belangen ein unvergessliches und unbeschreiblich wertvolles Erlebnis für uns. Danken möchten wir auch allen Menschen (und Tieren), die uns auf unserer Reise begegnet sind und die unsere Zeit, unser (Er)Leben und unsere Erlebnisse bereichert haben. Danke!

 

Eine Woche später, am Samstag, den 4. Februar, betrug die Eisdicke noch immer 19 cm und das Karussell war fahrbereit. Dabei habe ich auch die Wasserdichtigkeit meiner Kamera getestet und unter Wasser gefilmt. Hier das Ergebnis.

Eiskarussell eine Woche später

 

Es wird (chronologisch weiter hinten einsortiert) noch immer ein Beitrag zum Eishotel und zu unserem Leben und Arbeiten im Husky-Camp folgen. Also, bitte noch etwas Geduld und – dranbleiben.

2 Comments

  1. wpchris

    In der vergangenen Woche haben sich auch der Bürgermeister und der Feuerwehrkommandant in der Südwest Presse zu Wort gemeldet.

    http://www.swp.de/ulm/lokales/alb_donau/so-sicher-wie-in-finnland_-14375108.html

    Schlecht recherchiert. Es waren nicht die Finnen, sondern die Schweden, die schon viel früher (nämlich 2011) diese Idee hatten. Siehe Link zum Film ganz oben in diesem Beitrag.
    Und zu den Kommentaren meinte Christine: Deshalb macht das der Ingenieur und nicht der Bürgermeister oder der Feuerwehrkommandant.

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